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Weltcupfinale Andorra

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Und irgendwann kommt der Tag, an dem man das zurückbekommt, in das man sehr viel investiert hat. Meine erste Saisonhälfte war ein einziges Desaster, wenn ich meine Ergebnisse betrachte. Nach dem letzten Blog, wo ich über die Stürze bei den Weltcups in Fort William und Leogang, beim iXS Cup Schladming und den Staatsmeisterschaften berichtete, kam der WC in Lenzerheide! Ich war frohen Mutes und motiviert, aber was kam? Ich stürzte im Rennlauf!

Meine Stimmung war dementsprechend, ich war wirklich frustriert und verstand irgendwie die Welt nicht mehr, was zur Hölle eigentlich gegen mich lief. Es war aber sehr schön dabei zu sein, wie Danny seinen ersten WC gewann, und ich konnte daraus auch Motivation schöpfen, da auch er sehr lange auf diesen Erfolg hat warten müssen. Ich suchte nach positiven Ansätzen, und einer war unübersehbar: Ich hatte 5 Stürze in Folge, aber ich war nicht verletzt, körperlich voll fit und konnte weitertrainieren, testen oder einfach nur zum Spaß auf dem Bike sitzen.
Road Trip

Und das machte ich dann auch: Ich mietete einen Wohnwagen und machte mich mit meiner Freundin und vier Bikes auf einen Roadtrip. Serfaus-Reschenpass-Gardasee-Verbier-Leogang/Hinterglemm.

War echt ein cooler Trip mit viel Zeit auf dem Bike, ohne die Stoppuhr im Hinterkopf zu haben, mit gutem Essen und schönen Aussichten. In Verbier traf ich mich mit meinem Teamkollegen Laurie Greenland und NZ-Rocker George Brannigan. Was es heißt, mit den beiden zu fahren, könnt ihr euch vorstellen: Vom ersten Meter 110% am Gas, Gaps springen die man eigentlich nicht springen möchte und diverse Stürze, weil man einfach großteils total überm Limit unterwegs ist. Genau das habe ich gebraucht, wir drei hatten eigentlich einen Dauergrinser im Gesicht!

Vor dem nächsten in Weltcup in Mont-Sainte-Anne verbrachte ich noch zwei Tage mit meinem Trainer in meiner Heimat, um an einem Setup für Kanada zu arbeiten. Ja es hat funktioniert: Der Road Trip mit meiner Freundin, das Fahren mit Laurie und George sowie das dann wieder fokussierte Arbeiten mit meinem Techniktrainer brachte mir in Mont-Sainte-Anne Platz 13 in der Quali und Platz 14 im Rennen! WOW, geil! Ich war wirklich erleichtert, hatte eine Menge Spaß am Rennfahren und war irgendwie einfach überzeugt von mir und meinem Können an diesem Wochenende!

Die zweite Saisonhälfte hat schon mal sehr gut begonnen und ich war zurück im Spiel. Danny hatte seinen zweiten WC in Folge gewonnen und es herrschte einfach eine coole Stimmung im Team!
Europameisterschaft

Bevor es zum WC Finale nach Andorra ging, bestritt ich für das österreichische Nationalteam die Europameisterschaft in Wisla/Polen. Diese hat letztes Jahr auch schon dort stattgefunden und findet leider irgendwie unter Ausschluss der MTB-Öffentlichkeit statt. Wie ich in einem meiner Blogs vom letzten Jahr schon mal beschrieben habe, ist die EM aber ein wichtiges Rennen für uns, weil es da um die Sportförderungen von der Republik geht!

Die Strecke war kurz, eng und mittelschnell, so ziemlich alles wo viele andere einfach besser sind als ich. So hatte ich das ganze Wochenende auch meine Probleme, war dann aber echt stolz auf meinen Rennlauf, den ich gut hinbekam und auf Platz 6 fuhr. Fazit: Minimalziel hatte ich erreicht, ich konnte wieder auf meine große Stärke, das Rennfahren, zurückgreifen. Ich hatte ein gutes Gefühl für Andorra!
Weltcup-Finale Andorra

Ich freute mich schon sehr auf Andorra, einfach wegen der Strecke. Das Wetter sollte ein Traum sein und so entwickelte sich der Kurs zu einem Highlight. War es letztes Jahr bei der WM echt sehr schwierig mit dem Regen und teilweise ein Kampf mit dem Runterkommen, konnte man heuer keine einzige nasse Stelle finden. Die Strecke war mit Staub bedeckt und die Anlieger großteils 10 cm tief mit losem Material gefüllt, bevor man auf harten Untergrund stieß. So entwickelte sich eine Unzahl an Linien und jede/r FahrerIn hatte wirklich Spaß!

Am Trainingstag versuchte ich nicht zu übermotiviert an die Sache heranzugehen, sondern mich auf Strecke und die Linien die entstehen zu konzentrieren und einfach Sektionen mit vollem Speed zu trainieren. Ich wusste: bis zum Renntag wird sich noch sehr viel verändern.

Die Quali war dann eines meiner anstrengendsten Rennen des Jahres! Ich kam bis zum letzten Drittel sehr gut zurecht, dann waren aber meine Hände am Limit. Ich schaffte es gerade noch einen Sturz zu verhindern, über gut 50 Meter kämpfte ich gegen den Abgang. Im Ziel war ich dann komplett fertig, eigentlich unüblich – und ich wusste: ich muss was an meiner Gabel ändern. Mein Mechaniker Kolia Schmidt von Fox und ich besprachen ausführlich das Problem und überlegten lange, was wir ändern sollten. Ich hatte am Renntag nur eine Stunde Training zur Verfügung und da kann man nicht beide Läufe dazu verwenden, das Setup anzupassen. Wenn, dann muss es vom ersten Run an funktionieren.

Wir vermuteten, dass die Gabel zu schnell war und dann immer „nachschlug“, darum waren meine Handflächen so am Limit. Wir entschieden uns aber nicht den Rebound mit dem Einstellkopf zu verlangsamen, sondern gaben einen Volume-Spacer dazu und 3psi weniger Luft in die Gabel. So sollte sie im unteren Bereich besser ansprechen, weniger schnell ausfedern und aufgrund der Volume-Spacer trotz des niedrigeren Luftdrucks die identische Progression behalten.

Sonntag bei der ersten Trainingsfahrt spürte ich gleich, dass die Einstellung so passte, wie wir uns das vorgestellt hatten. Nach der Quali hatte ich, wie eigentlich noch alle, einen Trackwalk gemacht und eine Linie auf gut 100 m komplett geändert. Diese hatte ich dann am Renntag noch trainiert und auch auf dem Rest der Strecke konnte ich im Training volle Attacke reiten!

Ich erwischte einen wirklich guten Rennlauf, hatte während der Fahrt nur das Gefühl, an zwei, drei Stellen etwas zu viel auf der Bremse zu sein. Aber ich schaffte es zu pushen, was in meinen Möglichkeiten stand! Ich kam ins Ziel, drehte mich um und es war GRÜN! Das erste Mal seit Ewigkeiten, was für ein geiles Gefühl!

Das am Ende dann Platz 8 rausschaute, womit ich mein bestes WC-Ergebnis einstellen konnte, war auch dem einsetzenden Regen zu verdanken, welche die letzten 3-5 Fahrer ohne Chance ließen. Aber manchmal kommt das Glück zurück, hatte ich doch heuer 2 Rennen ordentliches Pech mit dem Wetter.
Laurie auf 9, Danny auf 1, ich auf 8 – das Mondraker-Team in den Top 10!
#9 Laurie auf 9, Danny auf 1, ich auf 8 – das Mondraker-Team in den Top 10!

Ja, jetzt wurde ich Achter, Laurie mein Teamkollege Neunter und Danny, der Wahnsinnige, gewann sein drittes Rennen in Folge! Boom, jetzt waren wir alle drei Fahrer in den Top 10, ein unglaublich cooles Gefühl. Dann sagten sie uns auch noch, dass wir das Trek-Team in der Team-Gesamtwertung um einen Punkt überholt hatten – und dürfen uns jetzt als BESTES TEAM 2016 nennen.
DAS BESTE TEAM!

…und irgendwann bekommt man sehr viel zurück!

Danke an alle die in meinem Team sind (Freundin, Konditrainer, Techniktrainer, Mentaltrainer) sowie ans MS Mondraker Team für eine Weltcup-Saison die sehr erfolgreich zu Ende ging, in der ich aber die ganze erste Saisonhälfte sehr zu kämpfen hatte und viel einstecken musste.

Jetzt steht noch das Highlight der Saison auf dem Programm, die Weltmeisterschaft in Val di Sole!

Euer Markus

Alle Fotos von Nathan Hughes